Die Geschichte der Langobarden

 

Paulus Diaconus (um 720 bis um 800), langobardischer Mönch und Geschichtsschreiber, der zeitweise auch am Hofe Karls des Großen lebte, schrieb Ende des 8. Jh. in der „Historia Langobardorum“, die Geschichte des Volkes der Langobarden nieder. Seine Geschichte endete, unvollendet, im Jahre 744, wahrscheinlich weil deren Verfasser während der Niederschrift starb. Darin bleibt die Frühzeit der Langobarden bis ins Jahr 489 n. Chr. in sagenhaftes Dunkel gehüllt. Keine der erwähnten Örtlichkeiten, mit Ausnahme vielleicht von „Skandinavia“, ließ sich bisher eindeutig bestimmen. Diaconus berichtet Sagenhaftes über die Wanderungen seines Volkes, die zu Beginn noch Winniler genannt wurden und aus Not die Insel „Skandinavia“, ihre Heimat, verlassen mussten. Nachdem das Los geworfen war, das darüber entschied, wer wegziehen musste, wählten sich die Auswanderer die Brüder Ibor und Ajo als ihre Herzöge. Sie kamen in das Land „Skoringa“ und blieben einige Jahre dort. In dieser Zeit kam es zu dem sagenhaften Konflikt zwischen Vandalen und Winnilern, die in einer langobardischen Stammessage erzählt werden. Diaconus tat diese Sage, in welcher auch der Namenswechsel von Winnilern zu Langobarden „erklärt wird“, als lächerliches Märchen ab. Er meinte, dass die Bezeichnung „Langobarden“ von der Länge ihrer Bärte, an die nie ein Schermesser kam, stamme.


Nachdem die Vandalen besiegt waren, traf die Langobarden später eine große Hungersnot, so dass sie wiederum zum Weiterziehen gezwungen waren und nach „Mauringa“ ziehen wollten. Die mächtigen Assipeter versuchten den Langobarden aber den Durchzug durch ihr Land zu verwähren. Wiederum durch eine Kriegslist gelang es den Langobarden den Durchzug nach „Mauringa“ zu erzwingen. Um die Zahl ihrer Streiter zu erhöhen, entrissen die Langobarden in Mauringa viele Sklaven aus der Gefangenschaft und machten sie zu freien Langobarden. Von Mauringa aus zogen sie weiter nach „Golana“. Dort starben die beiden bisherigen Herzöge und die Langobarden wählten sich nun einen König. Agelmund war ein Sohn Ajos und herrschte 33 Jahre lang über die Langobarden. Agelmund führte die Langobarden ins Land der Bulgaren. Dort wurden sie zu sorglos und bei einem nächtlichen Überfall der Bulgaren wurden viele Krieger und auch der König getötet. Lamissio, der Nachfolger Agelmunds, besiegte die Bulgaren in einer blutigen Schlacht. Nach vielen Jahren im eroberten Land zogen sie weiter ins Land der Rugier, dass geschah im Jahre 489.
Seit 489 spielen die Langobarden eine wichtige Rolle in der europäisch– römischen (byzantinschen) Geschichtsschreibung und werden auch für die Historiker wieder fassbar.

Man geht heute davon aus, dass der Namenswechsel von „Winniler“ zu „Langobarden“ sich im 1. Jh. vor Chr. vollzogen hat oder vollzogen wurde. Erwähnt wurden die Langobarden unter dieser Bezeichnung erstmals schriftlich durch einen römischen Offizier Namens Velleius Patercullus, der zwischen 9 und 16 n. Chr. an den Feldzügen des Tiberius teilnahm. Der germanische Stamm der Langobarden war danach zu dieser Zeit mit den Chauken benachbart. Ihr Stammesgebiet lag an der Unterelbe.
Der griechische Geograph Strabon (63 v.- 19 n. Chr.) rechnete die Langobarden zum suebischen Völkerstamm gehörend, mit Wohnsitzen beiderseits der Unterelbe.


Publius Cornelius Tacitus (um 55 – nach 115 n. Chr.) erwähnte die Langobarden in der Reihe der suebischen Stämme, die zum Bund des Markomannenkönigs Marbod gehörten, der von 19 v. - 19 n. Chr. die elbgermanischen Stämme beherrschte und in Konkurrenz zum Cheruskerkönig Arminius, der die rhein- wesergermanischen Stämme anführte, stand. Nach der Schlacht im Teutoburger Wald fielen die Langobarden von Marbod ab und verbündeten sich im Jahre 17 mit den Cheruskern gegen die Markomannen. In seiner, im Jahre 98 n. Chr. erschienenen „Germania" nennt Tatcitus die Langobarden wiederum mit ihren Wohnsitzen an der Niederelbe. Sie wären zwar nur gering an Zahl, behaupteten sich aber durch Kämpfe und Wagemut gegen ihre mächtigen Nachbarn.

Die vorerst letzte Erwähnung in der römischen Geschichtsschreibung erfahren die Langobarden bei Cassius Dio (150 - 235 n. Chr.). Er berichtete, dass im Jahre 166 n. Chr. etwa 6000 Langobarden und Obier gemeinsam die Donaugrenze überschritten. Sie wurden aber durch ein römisches Reiterregiment in die Flucht geschlagen und zurückgetrieben. Mit diesem Datum begannen die Markomannenkriege des Mark Aurel, die bis ca. 180 n. Chr. währten. Nach dem Ende dieser Kriege erschienen die Langobarden lange nicht mehr in der römischen Geschichtsschreibung. Das bedeutet, dass sie wieder aus dem direkten römischen Gesichtsfeld verschwunden waren und sich ins Landesinnere zurückgezogen hatten.

Im Jahre 489 n. Chr. erschienen die Langobarden dann im „Rugierland" an der mittleren Donau. Wo aber lebten die Langobarden zwischen 180 und 489 n. Chr.?

Noch im Mittelalter und in der frühen Neuzeit müssen in der Altmark Gerüchte oder Geschichten über die einstmals hier siedelnden Langobarden im Umlauf gewesen sein. Ansonsten kann man sich Christoph Entzelts Zitat aus seiner 1579 erschienenen „Chronik der Alten Mark“ nicht erklären: „Langobardi, die rechten Edlen Altmärckischen Schwaben, haben gewohnet von der Bisa (die Biese) oben an, und dem Biesenthal, das mitten durch die Alte Marck gehet, darinn die Bisa läufft, von der Cera (der Zehrengraben),...,bis an und um die Jetza (die Jeetze), den freyen Tremeling (der Drömling), nach der Ora (die Ohre) und dem Lande zu Braunschweig, und Lüneburgischen Heiden, ... . also grob übertragen, hätten die Langobarden in der Altmark zwischen der Biese und dem Zehrengraben im Osten, der Jeetze im Westen, Ohre und Drömling im Süden und Südwesten und möglicherweise den lüneburgisch– braunschweigischen Besitzungen im Westen und Norden gesiedelt. Wenn auch vieles, was Entzelt schrieb (u.a. benannte er die Langobarden auch als Gründer von Salzwedel im Jahre 318 v. Chr.!) doch sehr mit Vorsicht zu genießen ist, so erscheint es doch als sehr bedenkenswert, dass man sich zu dieser Zeit hier überhaupt noch an die Langobarden „erinnern" konnte, von denen „ein Teil zusammen mit etlichen Semnonen“ nach Pannonien aufgebrochen war. Vielleicht liefert Entzelt damit tatsächlich ein wichtiges Indiz für den Aufenthalt der Langobarden in der der Altmark? Interessanterweise nennt er auch die Angrivarier als benachbarten Stamm, der bei ihm allerdings östlich von Biese und Aland siedelte. Dieses „Wissen" ist scheinbar bald darauf verloren gegangen oder wurde irgendwann nicht mehr ernst genommen.
Denn als Johann Friedrich Danneil, um 1820 erste Urnenfunde vom Zethlinger Mühlenberg meldete, war er fest davon überzeugt (und er blieb dieser Überzeugung Zeit seines Lebens), dass es sich dabei um typisch wendische Totengefäße handelte und somit auch um einen Wendenkirchhof.


Als erster sprach ein gewisser Otto Förtsch im Jahre 1904 wieder offiziell von den Langobarden, was er in seiner Arbeit über "Langobardische Gräber von dem Mühlenberge bei Mechau" niederlegte. Dieser Friedhof wurde genau wie der Zethlinger hauptsächlich während der Spätrömischen Kaiserzeit zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert benutzt.
1938 war es Freidank Kuchenbuch aus Stendal, der die Langobarden sogar zu den Trägern einer einheitlichen Kultur im altmärkischen und angrenzenden osthannöverschen Gebiet der Spätrömischen Kaiserzeit machte. Bis vor wenigen Jahren war das noch allgemeine Lehrmeinung.


Etwa seit den 1980er Jahren mehren sich Stimmen, die an dieser Verallgemeinerung zweifeln. Man hat inzwischen erkannt, dass auch die Altmark in dieser Zeit nicht einheitlich besiedelt war. Die Langobarden werden zwar in der westlichen Altmark der Spätrömischen Kaiserzeit gesiedelt haben, aber, beweisen lässt sich das, anhand der spärlichen Quellenlage leider nicht. Mit Sicherheit waren die Langobarden nicht die einzigen germanischen Siedler dieser Epoche in der Altmark, auch andere, verwandte, elbgermanische Stämme haben damals hier gesiedelt.

 

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